Inkontinenz: Gesellschaft und Psyche

In unserer heutigen Zeit wird sehr viel Wert auf Sauberkeit und Hygiene gelegt. Schon Kleinkinder werden zur Sauberkeit erzogen, trainieren Darm und Blase, werden aufs Töpfchen gesetzt und üben später den „richtigen „ Toilettengang“.

Obwohl unsere Gesellschaft modern, aufgeschlossen und aufgeklärt ist, bleibt eine Harn- oder Stuhlinkotinenz immer noch ein Tabu- Thema. Viele Menschen mit einer Inkontinez schämen sich, zu ihrer Erkrankung zu stehen und verheimlichen sie, so lange es möglich ist. Die Angst vor negativen Reaktionen aus ihrem privaten Umfeld, ist zu groß.

Alte Menschen bekennen sich nicht gern dazu, weil eine Harn- und Stuhlinkontinenz auch heute noch ein Grund für Angehörige sein kann, die Einweisung in ein Pflegeheim zu veranlassen.

Aber auch junge Menschen können von Inkontinenz betroffen sein. Sie betrachten ihre Erkrankung als persönliches Körperdefizit und schweigen darüber solange, bis die Erkrankung nicht mehr zu verbergen ist. Erst dann wird ein Arzt aufgesucht, der in der Regel helfen kann. Bis dahin wurde aber meistens ein recht langer Leidensweg zurückgelegt.

Menschen mit einer Inkontinenz fürchten oft die Reaktionen ihrer Mitmenschen, haben Angst vor Ablehnung und unfreundlichen Kommentaren. Sie fühlen sich immer unsicher und befürchten stets, andere könnten etwas sehen oder an ihnen riechen.

Die Unsicherheit und Angst kann so groß werden, dass betroffene Menschen schließlich den Kontakt zu anderen Mitmenschen meiden. Sie verlassen ihr Zuhause nur, wenn es unbedingt nötig ist, denn sobald sie unterwegs sind, steht die Sorge, sie könnten die nächste öffentliche Toilette nicht mehr rechtzeitig erreichen, im Vordergrund.

So bleiben sie daheim und lehnen jegliche sozialen Kontakte ab. Sie leben isoliert, sind einsam und verlieren nach und nach ihre Selbständigkeit. Alte Menschen nehmen die Inkontinenz oft als Teil des unvermeidlichen Alterungsprozesses hin. Das muss aber nicht so sein.

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