Inkontinenz: Übungen und Hilfsmittel
Um einem unwillkürlichen Harndrang zuvor zu kommen, sollte die Blase trainiert und regelmäßig, zu bestimmten Zeiten, geleert werden. Auch beim Wasserlassen auf der Toilette ist eine Aktivierung des Schließmuskels möglich. Dazu wird lediglich der Harnstrahl willkürlich unterbrochen. Diese Übung dient als Training und stärkt den Schließmuskel.
Eine sehr gute Therapiemöglichkeit ist das Toilettentraining, das ein Miktionstraining, ein Blasentraining und ein Verhaltenstraining beinhaltet. Der Patient soll wieder ein Gefühl für seine Blase bekommen, in dem er versucht, die Blasenentleerung hinauszuzögern, um mit der Zeit den optimalen Zeitpunkt für die Blasenentleerung zu finden. Damit kommt er einem unwillkürlichen Harndrang zuvor, wodurch er seinen Alltag optimaler planen kann.
Sehr nützlich ist, während dieses Trainings, ein Miktionsprotokoll zu führen, in dem die Flüssigkeitsaufnahmen, die Flüssigkeitsausscheidungen und noch weitere Angaben, genau dokumentiert werden.
Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss des Therapeuten, denn durch ihn wird der Patient motiviert durchzuhalten, wird aufgemuntert und erfährt freundlichen Zuspruch; er fühlt sich angenommen und auch ernst genommen.
Das Beckenbodentraining ist eine sehr gute Therapie bei einer bereits bestehenden Inkontinenz, bietet sich aber gleichzeitig auch als prophylaktische Maßnahme an. Der Beckenboden trägt und stützt innere Organe und verhindert ein Absenken. Deshalb ist es wichtig, den Beckenboden gesund zu erhalten.
Durch gezielte Übungen, unter Anleitung einer geschulten Fachkraft, wird der Beckenboden gestärkt und gekräftigt. Mitentscheidend für den gewünschten Erfolg ist die regelmäßige Durchführung der Übungen, ein ausgeprägtes Durchhaltevermögen, viel Disziplin und auch Zeit.
Aber auch im Alltag lassen sich einige Tipps umsetzen. So sollten Fehlhaltungen wie z.B. langes Stehen oder krummes Sitzen, möglichst vermieden werden. Eine aufrechte Haltung und ein dynamischer Gang kommen der gesamten Muskulatur zugute.
Wer auf jeder Seite eine Tasche trägt, statt auf einer Seite nur eine einzige, gleicht das Gewicht aus und entlastet die Wirbelsäule. Beim Heben schwerer Gegenstände sollte die Belastung stets auf die Beinmuskulatur verlagert werden und beim Bücken ist es besser, leicht in die Knie zu gehen, damit der Organismus geschont wird.
Die weiteren Hilfsmittel für den Alltag ergeben sich aus dem Schweregrad der Inkontinenz. Bei diesen Hilfsmitteln kommt es u. a. auf eine optimale Passform und einen angenehmen Tragekomfort an.
So gibt es anatomisch geformte Vorlagen und Einlagen, aber auch weiche und saugfähige Windeln und Höschenwindeln. Für Männer werden Auffangbeutel und Tropfenfänger angeboten. Das Material muss den Harn sehr gut auffangen und aufsaugen können, um dem Träger ein sicheres und hygienisches Gefühl zu vermitteln. Nur dann wird er in der Zukunft, angstfrei und selbstbewusst, sein Leben gestalten können.
Inkontinenz Ratgeber